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For those who like words: articles by gerhard graml about various music related topics, published in the music magazine "Concerto" or elsewhere. For now in German only

 

Cut & Paste - Tortoise und die Musik zur Zeit

Ein grosses Wort gelassen ausgesprochen hat die deutsche Musikzeitschrift SPEX, als sie davon sprach, dass die in Chicago beheimatete Band Tortoise nicht mehr und nicht weniger als die Musik des naechsten Jahrtausends definieren werde. Fehleinschaetzung oder weise Voraussicht? Die Synthese von elektronischen Klaengen und traditionellen Instrumenten laesst auf ein Quentchen visionaeres Bewusstsein schliessen, und ist ausserdem extrem angesagt.
Tortoise reagierte auf das Heilsversprechen der deutschen Pop-Diskursbibel etwas verwundert. John McEntire, Keyboarder und Kopf der Gruppe fand es "weird", plötzlich für die Zukunft eines ganzen Genre verantwortlich zu sein. Der eurozentrischen Ueberhoehung steht ein amerikanisches Outlaw-Image gegenüber, was die Sache wieder irgendwie ins Lot bringt. Und von theoretischen Ueberlegungen, spekulativ eingesetzt, sind Tortoise ohnehin meilenweit entfernt. Ja, John McEntire gibt sich in der Regel überhaupt wortkarg, erteilt wenig theoretische Auskunft und laesst die Musik, eine postmoderne Synthese von Akustik und Elektronik, von Stille und Laerm, für sich sprechen.
Was Tortoise nun seit Jahren betreiben, ist die aeusserst fruchtbare Vermischung von elektronischen Klaengen mit den traditionellen Instrumenten des Rock. Und die Ergebnisse, besonders das rein instrumentale Album "Millions now living will never die", sind bemerkenswert. Nach Art der "Musique Concrete" werden gefundene Bandschnipsel zu elektronischem Noise verdichtet, welcher gleichberechtigt neben smoothen Ambientklaengen montiert wird, wie etwa das 20-minütige Stück "Djed" vorführt. Die Musik von Tortoise verabschiedet sich ausserdem in wohltuender Weise vom 4/4 - Takt, ohne dabei in die obligate Jazzrockfalle zu gehen. Tortoise geraet nie in die Verlegenheit, Akrobatik vorzuführen. Stattdessen erzeugt man Klangumgebungen, Ambiente eben. Elektronik und Samples werden dabei nicht vordergruendig eingesetzt, sondern sind integraler Bestandteil dieser Klangwelten, etwa auf dem beruehrenden Stück "Dear Grandma and Grandpa", das mit Samples von Kinderstimmen arbeitet. Die Strukturen der Stuecke sind sehr offen angelegt, jedes Motiv laesst sich viel Zeit zur Entfaltung, Marimbas und Vibraphone verleihen den Kompositionen ein sphaerisches Element. Multiple Klangtexturen ueberlagern sich zu einem hypnotischen Mix von tanzbarem Ambient und entspanntem Kammerjazz. Man vermeint das Echo einer Musik zu hoeren, die vom Meeresgrund zu kommen scheint.
John McEntire ist in der aeusserst interessanten Avantgarde-Szene von Chicago seit Jahren ein kreativer Fixstern als Musiker und DJ. So nebenbei ist er ein recht umtriebiger Zeitgenosse in Sachen Remixes und Produktion. Auch ein Oesterreichbezug losst sich herstellen. Das oesterreichische Crossover-Folk-Projekt Deishovida konnten ihn als Remixer ihrer letzten CD "Not 4 U" gewinnen.
Die juengst erschienene neue Tortoise - CD mit dem Titel "TNT" schlaegt in eine aehnliche Kerbe wie die Vorgaengeralben. Rein instrumental gehalten bringt sie minimalistische Klangmosaike, die mit Streichern und Blaesern auch schon einmal grossorchestral ausholen. Die Sprengkraft, die der Titel "TNT" verspricht, wird nicht eingeloest. Stattdessen gibt es ein akustisches Wellenbad fuer die strapazierten Gehoernerven. Steve Reich trifft Brian Eno trifft die Hoerspielabteilung des Rundfunks. Das Ergebnis sind Stuecke ueber den Aequator, ueber eine Haengebruecke, über die Everglades, ueber einen einfachen Weg, die Lichtgeschwindigkeit zu ueberschreiten, der nicht funktioniert. Das klingt zuweilen nach rotem Pluesch, ein andermal nach Easy Listening mit Break Beats oder nach einem Soundtrack fuer Spaghettiwestern. Gegen Ende der CD uebernehmen dann immer mehr die Maschinen das Kommando. Landschaftsmusik, die den Jazz als kleinsten gemeinsamen Nenner hat, und bei der die Sampler fleissig mitkomponieren. Und wie Generationen junger Klangbastler aus den Jahrzehnten davor greifen Tortoise auf den alten Trick der rueckwortslaufenden Baender zurück. Kommt immer noch sehr, sehr gut.

 

 

Komponieren in Zeiten der Poststilistik - John Adams

Waehrend die Verkaufszahlen am Sektor der klassischen Musik dramatische Einbrueche verzeichnen, findet die amerikanische Spielart der zeitgenoessischen Moderne, die Minimal Music immer noch ihre Hoererschaft. In einem Interview gibt einer ihrer bekanntesten Vertreter, John Adams, ueber die Entstehungszeit der Minimal Music, seine Beziehung zu Rock und Jazz, und ueber sein Dasein als zeitgenoessischer Komponist Auskunft.

 

Mit Qualitaetsurteilen ueber Minimal Music ist man im europaeischen Raum immer schnell zur Hand. Zu gefaellig, zu kommerziell, zu oberflaechlich, lauten die Bewertungen. Und zum Drueberstreuen faehrt die europäische Musikkritik immer mit den duemmsten Klischees und Antiamerikanismen auf, so nach dem Prinzip, man habe es hier mit billiger und wertloser McMusik zu tun. Als anschauliches Beispiel erinnert man sich der Reaktion der englischen Musikpresse auf einen versaeumten Abgabetermin einer Komposition des Minimalisten Steve Reich. Man verstehe gar nicht, warum der Komponist sein Werk nicht vollenden konnte, wo doch eine Fotokopiermaschine das doch leicht haette erledigen können.


Minimal Music ist eben eine amerikanische Angelegenheit, ein Produkt eines freieren, aber eben auch publikumsorientierten Kulturbetriebes. Die Komponisten aus Uebersee, etwa Terry Riley, Steve Reich, LaMonte Young oder Philipp Glass, um nur einige zu nennen, sind mit ihrer Musik naeher am Ohr der Hoererschaft als ihre Kollegen hierorts. Wenngleich, es laesst sich nicht verheimlichen, die Minimal Music auch schoen langsam in die Jahre gekommen ist, denn so richtig frisch wollen die juengsten Werke von Glass und Reich nicht mehr klingen. Im Gegensatz zur europaeischen zeitgenoessischen Musik gelingt es ihnen aber, auch ein junges Publikum anzusprechen. Minimal Music ist fernsehtauglich, besitzt in ihren repetierten formalen Mustern psychedelisches und meditatives Potential, und laesst sich auch en passant konsumieren. Vielleicht ein Erfolgsgeheimnis.


John Adams waehlt einen etwas anderen Zugang als die uebrigen Minimalisten. Seine Musik ist weniger dogmatisch, weniger puristisch, und holt sich nicht strikt an formale Regeln der Minimalisten. In seinen Werken finden sich jazzige Elemente, und einen gewissen Hang zur Spaetromantik kann er wohl auch nicht abstreiten, in seiner Selbstbeschreibung ein typischer Komponist der poststilistischen Epoche eben. Am bekanntesten wurde er wohl mit seiner Oper "Nixon in China3", die sich, voellig opernunueblich, eines Stoffes der Tagespolitik annahm. Anlaesslich seines Konzertes in Wien, uebrigens das letzte in der Konzerthaus-Reihe "Musik aus Amerika", ein Gespraech mit John Adams.



Ich moechte mit einigen Fragen zu ihrer Biographie beginnen: Ihr Vater war ein Jazz-Saxophonist?


Ja. Aber er war nicht beruehmt. Er hat sich und seine Familie waehrend der grossen Depression in den 30- und 40-Jahren unterstuetzt, indem er in einer Band gespielt hat. Meine Mutter war eine Amateursaengerin, die in lokalen Produktionen von Broadway-Shows gesungen hat. Und mein erster Buehnenauftritt war in dem Musical South Pacific, wo ich den kleinen polynesischen Jungen gesungen habe, und meine Mutter spielte die Rolle der Bloody Mary. Wir hatten also eine Menge an interessantem Jazz und Broadway Musik in unserem Haus, als ich aufwuchs.


Hat sie der Jazz beeinflusst?


Oh ja, absolut. Ich hatte waehrend meines ganzen Lebens immer eine enge Beziehung zu amerikanischer Popmusik und zum Jazz. In den 60-Jahren war ich ein College-Student, und das war eine Periode grosser Kreativitaet in Amerika, speziell die Zeit zwischen 1965 und 1970. Es hat nicht lange gedauert, aber das war die Zeit, als die Rockmusik in voller Bluete stand. Ich war in einem sehr zarten Alter, und das alles hatte ungeheure Wirkung auf mich. Da waren diese grossartigen Bands, alles von den Beatles über Paul Butterfield bis zu den Supremes, die Motown Bands und die San Francisco Bands, und zur selben Zeit gab es diesen fabelhaften Jazz, John Coltrane, Ornette Coleman, Eric Dolphy, Bill Evans und so weiter ....


Und diesen Einfluss spuert man auch in ihrer Musik?


Sicher. Andererseits bin ich das, was man, in Ermangelung eines besseren Ausdrucks, einen "klassischen" Komponisten nennt. Ich bin kein Jazzkomponist, nicht einmal jemand wie Keith Jarrett oder Frank Zappa. Ich schreibe für Orchester und meine Welt ist die Welt der klassischen Musik, aber andere Elemente kommen in meiner Musik immer wieder vor, und das ist mit einer Reihe von amerikanischen Komponisten der Fall. Es taucht in sublimierter Form auf. Es klingt nicht vordergruendig nach Rock´n´Roll, aber man kann den Puls fuehlen, und alles ist sehr tonal. Und meine Musik ist auch ziemlich aufgeladen und energetisch.


Was sind ihre Haupteinfluesse als klassischer Komponist?


Als kleiner Junge wuchs ich auf in einer Familie, in der die Musik eine wichtige Rolle spielte. Meine Mutter sang, mein Vater spielte Klarinette und Saxophon, und ich begann mit ihm in Bands zu spielen, vorwiegend Marching Bands. Das war ein grosser Einfluss. Zur selben Zeit bildete mich mein Vater zu einem guten Musiker aus. Ich lernte sehr frueh das Klarinettenkonzert von Mozart, und ich war sehr interessiert an Schallplatten. Ich legte mir dann auch bald eine Plattensammlung zu, und mir gefiel alles von Bach bis Strawinsky, Copland und Gershwin, und zur selben Zeit hörte ich Jazz und spaeter Rock. Alles war gleich wichtig fuer mich.


Und wie sind sie dann zur Minimal Music gekommen?


Man muss die Verhaeltnisse kennen, die in den amerikanischen Universitaeten der 60-Jahre geherrscht haben. Es war eine sehr unglueckliche Situation, weil der Grossteil der Professoren immer noch Anhaenger der Schoenberg Aesthetik waren. Die Stimmung in der zeitgenoessischen amerikanischen Musik war vor 30 Jahren so, wie es zum Beispiel in Wien bis zum heutigen Tage ist, wenn ich etwa einen Blick in das Programm des Festivals "Wien modern" werfe. Atonale Musik, Musik, die im Grunde sehr haesslich war, sehr intellektuell, und die kein Publikum hatte. Und ich wollte mein Leben nicht damit verbringen, so etwas zu schreiben. Meine Erfahrung von Musik war anders. Also habe ich Harvard nach dem Studium verlassen, und anstatt zum Studieren nach Europa zu gehen, zog ich nach San Francisco. Ich fühlte, dass das spirituelle und intellektuelle Klima im San Francisco der damaligen Zeit besser fuer mich sein wuerde. Kalifornien war offener, man fand mehr asiatische und lateinamerikanische Einflüsse. Die ersten minimalistischen Stuecke hoerte ich dann in den Siebzigern, und die hatten grosse Wirkung auf mich, weil alle Elemente enthalten waren, die Musik meiner Ansicht nach braucht, um verstaendlich zu sein: Tonalitaet, klare Strukturen, und am Wichtigsten für mich, die Musik war sehr sinnlich. Sie sprach den Zuhoerer nicht nur auf der intellektuellen Ebene an, sondern auch auf einer sinnlichen Ebene, was Schoenberg und die ganze Zwoelftontradition fuer mich nicht tat.


Philipp Glass hat in einem Interview einmal gesagt, dass die ersten Konzerte mit Minimal Music skandaloese Ereignisse waren. Und dass umgekehrt Anhaenger der Minimal Music auf Konzerte mit zeitgenoessischer europaeischer Musik gingen, um zu provozieren und mit Tomaten zu werfen. Waren sie da auch dabei?


Na ja, in der Rückschau werden oft Dinge etwas verklaert und romantisiert. Aber ich kann mich erinnere, wie ich selbst im Lincoln Center in New York ausgebuht wurde. Ich glaube, es war 1983. Die "Grand Pianola Music" wurde gespielt, und das ist im Grunde auch ein skandaloeses Stück. Aber es hat Spass gemacht, eine minimalistische Komposition zu schreiben, die Elemente der Musik von Scott Joplin, Motown und Diana Ross vereint. Es war Unterhaltungsmusik ist besten Sinne, ich wollte, dass die Zuhoerer Spass an der Musik haben. Und nachdem die New Yorker Philharmoniker das Stueck zu Ende gespielt hatten, verbeugte ich mich, und 20 oder 30 Leute im Publikum haben mich aufs Aergste ausgebuht. Und das hat ziemliches Aufsehen erregt, weil die Zuhoerer heutzutage normalerweise ihren Aerger nicht mehr zeigen. Aber in diesem speziellen Fall kamen schon die Emotionen hoch. In den Siebzigerjahren haben die Leute den Minimalismus gehasst. Man sagte, er sei billig, als ob man einen MacDonalds Burger isst oder einen Walt Disney Film ansieht. Man sagte, Minimalismus sei antiintellektuell, so als wuerde man der hehren Kunsttradition ins Gesicht spucken. Aber das selbe ist Alban Berg hier in Wien passiert, als er die Altenberg Lieder zum ersten Mal auffuehrte. Diese Sachen passieren eben.

Waren die Minimalisten jemals ein Kreis, eine Gemeinschaft?


Nein, das war niemals eine Gruppe. Aber ich kenne die anderen Minimalisten alle, und wir sind alle befreundet.

 

Wie denken sie über die europaeische Tradition der zeitgenoessischen Musik, also Schoenberg, Boulez, Stockhausen? Ist das etwas, was sie respektieren, aber in ihrer Musik nicht verwenden?


Genau, speziell für Boulez habe ich grossen Respekt, und Schoenberg natuerlich, so schwierig er als Mensch war, als Komponist war er einer der einflussreichsten unseres Jahrhunderts. Das kann man nicht einfach uebergehen. Aber die Musik interessiert mich nicht, und ich kann sie fuer meine Arbeit nicht gebrauchen. Auf der anderen Seite kann mich Boulez nicht gebrauchen, aber ich habe groessten Respekt für ihn. Ich bin der Meinung, dass diese Musik in eine Richtung gegangen ist, wo es keine Moeglichkeit der Entwicklung mehr gab, und sie hat ihr Publikum verloren. Ich habe Abende dirigiert, wo zeitgenoessische Musik auf dem Programm stand, aber das Publikum blieb zu Hause. Vor einigen Wochen dirigierte ich das Pittsburg Symphony Orchestra, wir spielten ein Stück von Frank Zappa mit dem Titel "Duprees Paradise", das Violinkonzert von Strawinsky und mein grosses Orchesterstück "Harmonielehre", und die Haelfte des Publikums kam nicht. Sie wussten nicht einmal, was sie zu hoeren bekommen wuerden, aber sie wussten , dass es irgend etwas Zeitgenoessisches war, und man nimmt automatisch an, dass es unangenehm werden wuerde. Man nimmt an, es klingt nach Schoenberg oder schlimmer, und bleibt deshalb lieber zu Hause.


In Europa fuellt Boulez aber die Konzerthallen.


Ja, weil er ein Dirigent ist. Als Komponist haette er wahrscheinlich am Ende seines Lebens ein bisschen Ruhm, wie Ligeti oder Stockhausen und er wuerde vielleicht hier in Wien oder in Paris die Saele fuellen. Aber im Prinzip gruendet sich sein Ruf auf seine Arbeit als Dirigent. Man muss hier ehrlich sein: Komponisten, die atonale Musik und Musik ohne Puls schreiben, haben das Publikum verscheucht. Das ist eine schreckliche Situation, wo es kein Vertrauen und keine Kommunikation zwischen dem Komponisten und dem durchschnittlichen Konzertbesucher, auch wenn er musikalisch informiert ist, gibt. Sogar Ligeti, der einen grossen Namen hat, wir nennen das einen grossen Fisch in einem kleinen Teich, hat keine Wirkung auf die Kultur in einer Art und Weise, wie ihn etwa Richard Wagner, Duke Ellington oder John Lennon hatte. Er hat einfach keinen Einfluss, oder nur in einem ganz eng begrenzten Raum.


Ligetis Musik wurde etwa auch als Filmmusik verwendet. Haben sie schon jemals fuer Film geschrieben?


Ich bin nach wie vor interessiert daran, aber das Problem ist, man muss für den Film sehr schnell komponieren, und normalerweise sind die Kompromisse inakzeptabel. Man komponiert etwas, und dann wird es hinter den Dialogen begraben. Und da bewundere ich Philipp Glass. Er ist der einzige lebende Komponist, der faehig war, in der Filmwelt zu arbeiten und seine Integritaet zu bewahren. Aber sogar seine Filmmusik leidet unter den Kompromissen. Und das ist eine Schande, weil Film und Musik eine perfekte Mischung ergeben. Aber im Verhaeltnis zwischen Film und guten Komponisten hat es schon immer gekriselt.

Sie verwenden in ihren Stuecken sowohl elektronische als auch akustische Instrumente.


Ja, in fast allen meinen Stuecken verwende ich Synthesizer und Sampler in Verbindung mit akustischen Orchesterinstrumenten. Das schafft eine Klangwelt, die einzigartig ist. Ich mache das mehr als andere Komponisten, und es schafft auch eine Reihe von Problemen. Ein Dirigent oder ein Orchester, das nicht gewoehnt ist, mit diesen Instrumenten zu arbeiten, erliegt da oft schrecklichen Missverstaendnissen. Wenn ich dann nicht anwesend bin, weiss ich nie was passiert. Zum Beispiel gab es jetzt eine Produktion von "Nixon in China" in Wien, ich habe sie nicht gesehen, und ich habe deshalb keine Ahnung, was sie mit den Synthesizern gemacht haben.

 

Ist es fuer sie als Komponist eine Notwendigkeit, selbst zu dirigieren?


Ich dirigiere, weil ich es gerne mache. Ich habe damit als Teenager angefangen, und es ist sehr gut fuer mich aus einer Reihe von Gruenden. Es ist ein guter Kontrast zur kreativen Arbeit. Als Komponist arbeitet man alleine und man wird sehr introvertiert. Manchmal werden Komponisten, die ausschliesslich Musik schreiben und nichts anderes tun, sehr praxisfern und neurotisch. Und manche Komponisten sind beruehmt dafuer, neurotisch zu sein. Ich bewundere Mahler zum Beispiel, oder Leute wie Boulez und Bernstein, weil die kreativ waren, und im anderen Moment die eigene oder eine fremde Musik dirigieren, und das vervollstaendigt ihre Persoenlichkeit. Deswegen ist es sehr wichtig für mich. Ja, und der angenehme Nebeneffekt ist, dass ich auf diese Weise meine Musik auffuehren kann.